Nachlasspflegschaft – was ist das eigentlich

Es stirbt wer und niemand ist da sich zu kümmern. Dann leitet das Amtsgericht, Nachlassgericht eine Nachlasspflegschaft ein. Eine Nachlasspflegerin, ein Nachlasspfleger wird bestellt. Zu seiner Legitimation wird ihm eine „Bestellung“ ausgehändigt. Der Nachlasspfleger ist dann gesetzlicher Vertreter der unbekannten Erben, kann also rechtsverbindlich für diese handeln. Er kann die Wohnung kündigen und auflösen, Konten schließen, einfach alles erledigen, was sonst die Angehörigen oder Erben zu erledigen haben.

Mit Genehmigung des Nachlassgerichts kann er sogar Immobilien verkaufen, Wertpapierdepots umschichten oder gar auflösen. Schulden kann der Nachlasspfleger bezahlen, natürlich nur soweit das Geld reicht. Wird auf diese Weise der Nachlass erschöpft, gibt es kein Fürsorgebedürfnis mehr. Die Nachlasspflegschaft wird wieder aufgehoben, das Verfahren endet.

Über seine Tätigkeit muss der Nachlasspfleger Rechenschaft legen. Seine Tätigkeit wird vom Nachlassgericht kontrolliert und überwacht. Um die Interessen der noch unbekannten Erben zu wahren, wird bei wichtigen Entscheidungen vom Nachlassgericht zusätzlich noch ein Verfahrenspfleger bestellt. Dieser prüft eigenverantwortlich, ob das, was der Nachlasspfleger veranlassen möchte, sinnvoll und nicht zum Schaden der potentiellen Erben ist.

Zu den Aufgaben des Nachlasspflegers gehört es aber auch, Erben zu ermitteln, natürlich nur, wenn ausreichender Nachlass vorhanden ist. Er bereitet alles vor, dass dann einer der Erben einen Erbschein für alle beantragen kann. Letztlich gibt er die Erbschaftsteuererklärung ab, bezahlt die Steuer, händigt den Nachlass den Erben aus und rechnet ihnen gegenüber ab.

Bezahlt wird der Nachlasspfleger nach Stunden. Ist er ehrenamtlich tätig, beträgt der höchste Stundensatz 33,50 €. Ist er berufsmäßig tätig, was das Nachlassgericht schon bei der Bestellung feststellen muss, liegen die Stundensätze höher. Der einem Rechtsanwalt als Nachlasspfleger zuzubilligende Stundensatz ist regelmäßig so zu bemessen, dass er für seinen im Interesse der Erben erbrachten Zeitaufwand eine kostendeckende Vergütung enthält.

Haben Sie dazu noch Fragen, scheuen Sie sich nicht, einfach zu fragen.